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Sie overtouched :: Er underfucked

  • Autorenbild: Martina Sommerauer
    Martina Sommerauer
  • 9. Sept.
  • 2 Min. Lesezeit
Paar im Bett

24/7 Händchen, die an mir zupfen, ein Kleinkind, das ständig Nähe sucht, Kinder, die nachts auf mir liegen.


Und dann ist da noch er, der mich begehrt. Nicht fordernd, nicht drängend – aber ich weiss, er hätte gern mehr Nähe. Und ich? Ich habe einfach nichts mehr zu geben. Ich sehne mich oft nur nach einem Moment, in dem niemand etwas von mir will.


Dieses Overtouched-Sein ist mehr als ein Gefühl und es wird selten darüber gesprochen.

Über die Lustlosigkeit nach der Geburt, das Gefühl, dass der eigene Körper plötzlich nicht mehr einem selbst gehört. Über Paare, die nebeneinander im Bett liegen und sich fragen, wie sie wieder zueinander finden sollen.


Für mich ist es unter anderem ein Symptom unserer westlichen Kultur, in dem eine Familie oft nur noch aus zwei Erwachsenen besteht: Mutter und Vater. Das Dorf, der Tribe, die Grossfamilie – all das, was früher trug, stützte, hielt, nährte und verband – ist verschwunden. Wir sind unabhängiger, wohlhabender, individueller geworden. Aber wir haben dabei den familiären Zusammenhalt verloren, der so wichtig wäre, um Lasten zu teilen.


Heute kaufen wir uns Hilfe: Kitas, Nannys, Putzfrauen, Lieferdienste – und ja auch Doulas gehören in diese Sparte. Statt gelebtem Support von Familie und Gemeinschaft gibt es Services, die wir bezahlen – und wer es sich nicht leisten kann, bleibt mit allem allein. Oder eben zu zweit.


In solch einem Setting tragen beide Personen viel mehr Gewicht, als gesund ist. Das erzeugt Druck, Überforderung und Lustlosigkeit.

Ich und mein Mann haben sogar schon darüber gesprochen, unsere Beziehung zu öffnen. Haben angefangen, die Beziehungsform «Monogamie» zu hinterfragen. Nicht, weil wir zwingend andere Sexualpartner*innen haben wollen, sondern weil wir uns gefragt haben: Wie können wir die emotionale und körperliche Last auf mehr Schultern verteilen? Wie können Beziehungen weniger eng und gleichzeitig tragender sein?


So oft träume ich von einem Beziehungsnetzwerk, das trägt. Mehr Menschen, mehr Nähe, mehr Liebe und mehr Schultern, auf denen die Last verteilt wird. Weniger Einsamkeit, weniger Druck, mehr Lust….


Kennst du dieses Gefühl, diese Gedanken?

Und was könnte deiner Meinung nach helfen, dass Eltern weniger überfordert und mehr genährt durchs Leben gehen?

 
 
 

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